Ilse

Mein Titel hat nicht umsonst den Namen erhalten Projekt Dobos Torte :-) Aus dem Nachlass des Tantchens (Großtante meines Mannes) gibt es ein handschriftliches Kochboch von deren Mutter und ihr. Aus Mutters Zeiten gibt es das Rezept für eine Dobos Torte. Wer eine Esterhazy Torte kennt, weiß dass die Ungarn ihre Torten scheinbar gerne in Schichten backen :-) Naja, das Schichten backen wäre ja nicht das allerschwierigste. Zuerst musste aber das Rezept übersetzt werden :-) Dazu habe ich nicht nur einmal mit Oma (Großmutter meines Mannes) telefoniert und mit ihr besprochen, was das nun alles heißt. Den Rest hat Google herausgefunden :-) Ach ja und man braucht sehr viel Platz. Der gesamte Esszimmertisch wird für die Tortenböden benötigt. Am Herd wird Platz für 2 Backbleche benötigt und dann nochmal etwas Platz für die Schüsseln samt Waage.

Hier das Rezept :-) Könnt ihr es lesen?

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So und nun die Übersetzung:

Dobos Torte

8 Eier schwerer Zucker mit 8 Dotter rühren, 6 Eier schwer Mehl, 8 klar Schnee vermischt, in 6 bis 8 Blätter backen; folgende Creme dazu 4 Dotter, 2 ganze Eier, 7 dkg Zucker, 1/2 Schale Milch; alles in heißen Wasser zu Schaum schlagen, wen es dick geworden ist auskühlen lassen. 14 dkg Butter schaumig gerührt, 4 Zeltel aufgelößte Yockolade, 10 dkg Zucker alles zusammen rühren, die Blätter damit bestreichen zusammensetzen und mit gebrannten Zucker glasieren.

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Da soll sich einer auskennen. Meine Interpretation:

Eischwer ist eine Maßeinheit, die gerne bei Biskuitmassen genommen wird. Dieser Ausdruck ist nicht ganz unüblich. Hierzu wird ein Ei (mit Schale) abgewogen und dann eben das Vielfache davon genommen. Meine Eier sind L Eier und im Schnitt 65g schwer.

dkg = dag und meint damit ein österreichisches Maß. 1 dag = 10 g

1/2 Schale, da war sich Oma auch nicht ganz sicher. Wir haben es als einen halben Liter interpretiert

Zeltel; tja das stellte sogar Oma vor ein Rätsel. Wir haben uns daher für Rippen entschieden. Eine Rippe Haushalts- oder Backschokolade hat bei uns 50g

Yockolade dürfte eine Sorte Schokolade gewesen sein, samt Schreibfehler :-)

Ok. Mit diesem Wissen kann es nun also losgehen. Ach ja, bei welcher Hitze wird nun das Ganze gebacken? Eine Regel aus dem Schulkochbuch lautet: Biskuit auf dem Blech bei starker Hitze und geringer Zeit. Biskuit in der Form bei mäßiger Hitze und längerer Backdauer. Ich entschied mich daher für 200°C Ober-/Unterhitze und einer Dauer von 7-10 Minuten.

Meine Lösung:

Zutaten Tortenböden:
520g Zucker,
8 Dotter,
390g Mehl,
8 Eiklar;

Zutaten Puddingcreme:
4 Dotter,
2 ganze Eier,
70g Zucker,
1/2l Milch;

Zutaten Parisercreme:
140g Butter,
200g Backschokolade,
100g Zucker

Zutaten gebrannter Zucker:
300g Staubzucker,
2-3 EL Wasser,
40g Butter

Zubereitung Tortenböden:
1. Den Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen.

2. Auf 8 Backpapierbögen Kreise mit 24 cm Umfang zeichnen. Ich habe dunkle Backbleche. Ich malte daher mit blauem Kugelschreiben die Kreise. Dazu habe ich den Boden einer 24er Springform genommen und mit dem Kulli umfahren :-) Das Papier später dann umdrehen, dass der Strich nicht mit dem Teig in Berührung kommt. Ich weiß nicht, ob sich Kugelschreiberfarbe in den Teig brennen würde. Ich ließ es nicht darauf ankommen. Wie ihr seht, braucht man sehr viel Backpapier. Später zum Stürzen werden dann nochmal 8 Bögen Backpapier benötigt. Insgesamt brauchte ich ca. 5 Meter Backpapier :-)

3. 2 große Schüssel vorbereiten. Die Eier trennen und das Klar zu festem Schnee (Eiweiß) schlagen.

4. Die Dotter in der zweiten Schüssel mit dem Zucker schaumig schlagen.

5. Den Schnee und das Mehl zur Dotter-Zuckermischung geben und gut unterheben. Das mache ich dann nur mehr mit dem Spatel und nicht mehr mit dem Mixer, damit mir der Schnee nicht mehr zusammen fällt.

6. Die gesamte Masse abwiegen und in 8 gleiche Teile teilen. Bei mir waren es jeweils 169g. Bitte das Maß genau nehmen, sonst rächt es sich am Schluss :-) Diese Erfahrung musste ich leider bei einer anderen Torte schon einmal machen.

7. Den Teig nun auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech streichen und mit dem Spatel den Kreis schön bedecken.

8. Die einzelnen Blätter für ca. 7-10 Minuten in den Ofen geben und goldbraun backen lassen. Ich habe mit 2 Backblechen gearbeitet. So konnte ich in der Zwischenzeit immer schon das nächste Blatt vorbereiten. Die fertigen Blätter dann auf ein frisches Blatt Backpapier stürzen und das mitgebackene Backpapier abziehen. Wenn es nicht leicht runter geht, dann einfach mit einem nass-kalten Küchenschwamm über das Backpapier wischen. Der Biskuit kühlt ein wenig aus und das Papier lässt sich leichter ablösen. Die Böden gut abkühlen lassen.

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Zubereitung Creme:
1. Einen Topf mit Wasser auf den Herd stellen und zum Kochen bringen.

2. Die Zutaten für die Creme in eine Schüssel geben und gut verrühren. Den Masse nun über Wasserdampf dickelig schlagen. Wer schon einmal Pudding gekocht hat, weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Masse eindickt. Das Rühren ist Schwerarbeit für die Oberarme.

3. Wenn die Masse dickelig geschlagen ist, dann vom Dampf nehmen und abkühlen lassen. Damit keine Haut auf dem Pudding entsteht, kann man eine Frischhaltefolie gleich direkt auf die Puddingmasse legen.

Zubereitung Parisercreme:
1. Die Schokolade in einer Schüssel wieder über Wasserdampf erwärmen, bis sie flüssig ist. Die Masse etwas abkühlen lassen, damit es nur mehr lippenwarm ist.

2. In der Zwischenzeit die Butter gut aufschlagen.

3. Nun Schokolade, Zucker und die vorbereitete Puddingcreme dazu geben und nochmal gut aufschlagen.

Zubereitung gebrannter Zucker:
1. Staubzucker mit ein bisschen Wasser in einer Pfanne bei schwacher Hitze karamelisieren lassen.

2. Danach die Butter dazugeben und gut vermischen.

3. Die Zuckermasse nun auf einen der 8 Tortenböden leeren.

4. Ein langes Messer oder eine Palette mit etwas Öl oder Kokosfett einreiben und damit die Zuckermasse mit wenigen Strichen auf dem Tortenboden verteilen. Es sollte nichts runter laufen.

5. Das Messer kurz putzen und wieder einölen/-fetten. Damit nun diesen Tortenboden in 12 Stücke schneiden und erkalten lassen.

Zusammenstellung der Torte:
Einen Tortenboden auf den Tortenteller legen und mit Creme bestreichen. Die restlichen Tortenböden ebenfalls darauf legen und dazwischen immer mit der Creme bestreichen. Am Schluss die gesamte Torte mit der Creme oben und auf der Seite bestreichen. Die restliche Creme in einen Spritzsack geben und damit eine Verzierung auf die Torte spritzen. Die zwölf vorbereiteten Tortenecken leicht schräg versetzt auf die Torte setzen. Den Tortenrand kann man noch mit Schokospänen bestreuen. Die Torte bis zum Verzehr kühl stellen.

Fazit: Die Torte ist super fluffig und sowas von lecker. Die Puddingmasse ist etwas „flüssiger“ als normale Puddingmasse. Vielleicht hätte ich noch etwas länger schlagen sollen. Wenn die Füllung fester ist, dann ist das Stapeln und Verzieren auch viel leichter. Also man hätte mich bei der Arbeit nicht hören wollen :-) Die Karamelschicht finde ich zu dick. Ich glaube, dass die Hälfte der Masse auch reichen würde. Den Großeltern hat die Karamelschicht aber sehr, sehr gut geschmeckt :-) Alles in Allem ist der Geschmack aber wirklich wunderbar.